Seit 1888 auf den Turmberg – die Turmbergbahn in Durlach

Seit mehr als einem Jahrhundert klettert die Turmbergbahn über Durlach hinauf auf den Karlsruher Hausberg. Generationen kannten die kleinen rot-gelben Wagen, die steile Strecke und den Blick hinunter in die Rheinebene – bis Ende 2024 Schluss war. Die alte Anlage wurde stillgelegt und 2026 weitgehend zurückgebaut. Doch die Bahn soll zurückkehren.

Die Turmbergbahn gilt als älteste Standseilbahn Deutschlands. Die Verbindung auf den Turmberg besteht seit 1888; die technische Anlage selbst wurde 1965/66 allerdings so grundlegend erneuert, dass praktisch ein Neubau entstand. Nun steht der Bahn eine weitere Reinkarnation bevor.

Geplant ist diesmal nicht nur der Ersatz alter Technik. Die Strecke wird verlängert, Tal- und Bergstation werden neu gebaut, die Bahn soll vollständig barrierefrei und in den Karlsruher Verkehrsverbund integriert werden. Bevor die nächste Turmbergbahn entsteht, lohnt deshalb ein Blick zurück auf Wasserballast, elektrische Wagen, eine missglückte Eröffnungsfahrt – und auf eine Bahn, die sich schon mehrfach neu erfunden hat.

Wagen 2 der Turmbergbahn oberhalb von Durlach im Dezember 2024. Wenige Tage später endete der Betrieb der alten Anlage.

Seit 1888 auf den Turmberg

Am 1. Mai 1888 nahm die Turmbergbahn ihren Betrieb auf. Sie erschloss den Turmberg als Ausflugsziel und ersparte den Besuchern den anstrengenden Aufstieg von Durlach. Schon damals war die Bahn selbst ein Teil des Vergnügens.

Die historische Strecke war rund 315 Meter lang und überwand etwa 100 Höhenmeter. Die maximale Steigung lag bei 36,2 Prozent. Die beiden Wagen waren durch ein Stahlseil miteinander verbunden und bewegten sich gegensinnig: Fuhr einer nach oben, kam der andere gleichzeitig herunter.

„Gruss vom Thurmberg“: historische Ansichtskarte von 1898 mit Talstation, Strecke und Turmberg. Sammlung eisenbahn.tv.

Der Antrieb funktionierte zunächst mit Wasserballast. Der Wagen an der Bergstation wurde mit Wasser beschwert, bis er schwer genug war, um talwärts zu fahren und dabei den anderen Wagen nach oben zu ziehen. An der Talstation wurde das Wasser wieder abgelassen.

Das einfache Prinzip hatte seine Grenzen. Bei Frost war ein Winterbetrieb problematisch, und in trockenen Perioden konnte sogar das Wasser knapp werden. 1963 musste der Betrieb an den Pfingstfeiertagen wegen Wassermangels eingestellt werden. Schon im Jahr zuvor war zeitweise ein Ersatzverkehr mit Bussen notwendig geworden.

Die alte Drahtseilbahn auf den Turmberg. Gut zu erkennen sind die steile Strecke und die beiden Wagen. Sammlung eisenbahn.tv.

Schwebebahn, Zahnradbahn – oder doch wieder Standseilbahn?

Anfang der 1960er Jahre war klar, dass die betagte Wasserballastbahn nicht unverändert weiterbetrieben werden konnte. Das baden-württembergische Innenministerium hatte 1963 darauf hingewiesen, dass die Anlage nicht mehr den damaligen technischen Anforderungen entsprach.

Über die Zukunft wurde intensiv gestritten. Neben einer elektrischen Standseilbahn standen eine Zahnradbahn und sogar eine Seilschwebebahn zur Diskussion. Letztere sollte zugleich bis zur Grötzinger Straße verlängert werden und damit einen besseren Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr erhalten – im Grundsatz also eine Idee, die beim heutigen Neubau wieder auftaucht.

Am Ende entschied sich die Turmbergbahn AG 1965 für die technisch und finanziell pragmatischere Variante: Die Standseilbahn blieb erhalten und wurde elektrifiziert. Was in den damaligen Beschlüssen als Umbau bezeichnet wurde, geriet in der Praxis allerdings erstaunlich umfassend. Die alten Wagen wurden verschrottet, Tal- und Bergstation abgerissen und Anfang 1966 auch die Gleisanlage abgebaut.

1966: Neubeginn mit Hindernissen

Am 30. November 1965 war die Wasserballastbahn zum letzten Mal gefahren. Im folgenden Jahr entstand die elektrische Turmbergbahn, die schließlich fast sechs Jahrzehnte lang das Bild der Strecke bestimmen sollte.

Die Eröffnung verlief allerdings nicht ganz nach Plan. Am 25. August 1966 sollte die neue Bahn feierlich in Betrieb gehen. Bereits bei der dritten Fahrt entgleiste ein Wagen. Die geladenen Ehrengäste mussten den restlichen Weg auf den Turmberg zu Fuß zurücklegen. Acht Tage blieb die Bahn noch einmal geschlossen. Erst am 3. September 1966 begann der reguläre Betrieb.

Fast sechs Jahrzehnte lang prägten die 1966 in Betrieb genommenen Wagen die Turmbergbahn. In der Streckenmitte begegneten sich Wagen 1 und Wagen 2.

Zwei Wagen und ein Seil

Das Grundprinzip blieb trotz Elektrifizierung dasselbe: Beide Wagen waren über das Zugseil miteinander verbunden und bewegten sich gleichzeitig in entgegengesetzte Richtungen. In der Mitte der ansonsten eingleisigen Strecke ermöglichte eine Ausweiche die Begegnung.

Der elektrische Antrieb und die Seiltechnik befanden sich an der Bergstation. Für die Fahrgäste blieb davon während einer normalen Fahrt wenig sichtbar – wer genauer hinsah, konnte an der oberen Station jedoch einen Blick auf die mächtige Seilscheibe und Teile der Mechanik werfen.

Blick auf die Seilscheibe und Teile der Technik an der oberen Station.

Mit ihren großen Fenstern und dem verglasten Dach waren die Wagen für die Aussicht gebaut. Im Inneren wurde zugleich deutlich, welchen Höhenunterschied die Bahn auf ihrer kurzen Strecke bewältigte.

Unterwegs in einem der alten Wagen. Durch Seitenfenster und Glasdach fiel der Blick auf Strecke, Durlach und die Rheinebene.

Dass eine Standseilbahn nicht unbedingt sanft abbremsen muss, wurde den Fahrgästen vorsorglich gleich im Wagen mitgeteilt.

„Der Wagen hat eine besonders schnell wirkende Bremse!“ – ein kleines Detail aus dem Innenraum der Turmbergbahn.

Auch die Sicherheitsanforderungen entwickelten sich in den Jahrzehnten weiter. Für einen dauerhaften Weiterbetrieb hätte die alte Anlage an den heutigen Stand der Technik angepasst werden müssen. Bereits in den Planungen zum Umbau verwiesen die Verkehrsbetriebe dabei unter anderem auf Anforderungen an Brandschutz und Barrierefreiheit. Fahrzeuge, Stationen, Fahrweg und Seilbahntechnik hätten umfangreich erneuert werden müssen.

Mitfahrt auf der alten Strecke. Voraus Wagen 1, im Hintergrund die Bergstation.

Tal- und Bergstation sind Geschichte

Zur 1966 erneuerten Anlage gehörten auch die Stationen, deren nüchterne Architektur über Jahrzehnte selbstverständlich zum Turmberg gehörte. Auch sie entsprachen zuletzt weder der geplanten Barrierefreiheit noch der künftigen Streckenführung.

Die alte Talstation im Dezember 2024. Die neue Strecke soll künftig bis zur Gymnasiumstraße verlängert werden und dort einen direkten Anschluss an Bus und Straßenbahn erhalten.
Die Bergstation kurz vor dem Betriebsende. 2026 wurde das Gebäude abgerissen.

Die letzten Fahrten

Ende 2024 war endgültig Schluss. Die Betriebserlaubnis der alten Anlage lief zum 31. Dezember aus. Am 29. Dezember fanden die letzten Fahrten mit den Wagen von 1966 statt. Zuvor hatten die Verkehrsbetriebe in der Advents- und Weihnachtszeit noch einmal zu kostenlosen Abschiedsfahrten eingeladen.

Unsere Aufnahmen entstanden nur wenige Tage vor diesem Ende. Auch die Fahrkarte vom 15. Dezember 2024 ist inzwischen ein kleines Stück Verkehrsgeschichte.

Drei Euro kostete am 15. Dezember 2024 die Berg- und Talfahrt – zwei Wochen vor den letzten Fahrten der alten Turmbergbahn. Sammlung eisenbahn.tv.

Die Turmbergbahn in bewegten Bildern

Unser Video entstand noch im regulären Betrieb und zeigt die Strecke, die beiden Wagen, die Stationen und technische Details der Anlage. Damit lässt sich die alte Turmbergbahn noch einmal so erleben, wie sie fast sechs Jahrzehnte lang gefahren ist.

Erst stillgelegt – dann endgültig beschlossen

Bemerkenswert ist die zeitliche Reihenfolge beim Neubau. Als die alte Turmbergbahn Ende Dezember 2024 ihren Betrieb einstellte, war politisch noch nicht endgültig entschieden, ob die neue Anlage tatsächlich gebaut werden würde. Zwar hatten Gemeinderat und Durlacher Ortschaftsrat dem Vorhaben bereits zuvor grundsätzlich zugestimmt und die Planung war weit fortgeschritten. Der entscheidende Gemeinderatsbeschluss fiel jedoch erst am 21. Januar 2025.

Die Abstimmung endete mit 30 zu 13 Stimmen für Neubau und Verlängerung. Der Auftrag an die Verkehrsbetriebe stand allerdings unter einer klaren Bedingung: Das Land Baden-Württemberg musste mindestens 50 Prozent der förderfähigen Baukosten übernehmen.

Damit war eine Sorge, die das Projekt über längere Zeit begleitet hatte, durchaus nachvollziehbar: Die alte Bahn war bereits außer Betrieb, während die Finanzierung der Nachfolgerin noch nicht endgültig gesichert war. Erst im Dezember 2025 kam der positive Förderbescheid.

2026 verschwindet die alte Anlage

Im März 2026 begann der Rückbau. Die Bergstation wurde als erstes abgerissen; im Frühjahr folgten Teile der Strecke, Brücken und die Talstation. Ende Mai meldeten die Verkehrsbetriebe, dass die Bergstation bereits verschwunden war und der Rückbau der Talstation lief. Parallel wurden Leitungen für die verlängerte Strecke und die neue Talstation an der B3 vorbereitet.

Damit verschwanden Bauwerke, die für viele Fahrgäste schlicht „die Turmbergbahn“ gewesen waren. Unsere Bilder vom Dezember 2024 dokumentieren die Anlage nur wenige Monate vor ihrem Abbruch.

Der Neubau ist kein Plan mehr für die Schublade

Inzwischen ist das Projekt deutlich über reine Planungsleistungen hinaus. Die neue Anlage einschließlich der beiden Fahrzeuge wurde nach einem europaweiten Vergabeverfahren an den Schweizer Seilbahnbauer Garaventa vergeben. Nach dem Förderbescheid vom Dezember 2025 wurde die Ausführungsstufe des Generalunternehmer-Auftrags aktiviert; seit Januar 2026 läuft die Ausführungs- und Detailplanung.

Auch die äußerst angespannte Finanzlage der Stadt hat daran bislang nichts geändert. Im März 2026 beschloss Karlsruhe eine haushaltswirtschaftliche Sperre über 60 Millionen Euro. Der Projektfortgang der Turmbergbahn wurde ebenfalls nochmals behandelt. Die Arbeiten wurden jedoch fortgesetzt; nach dem veröffentlichten Ablauf sollen die eigentlichen Arbeiten von Garaventa im Herbst 2026 beginnen.

Die Gesamtkosten werden derzeit mit rund 32 Millionen Euro angegeben. Das Land fördert die Infrastruktur mit 17,49 Millionen Euro und unterstützt außerdem die Beschaffung der beiden neuen Fahrzeuge mit weiteren 1,755 Millionen Euro.

Unten die Stadtbahn, oben am Hang die Turmbergbahn: Der Neubau soll die Standseilbahn künftig bis zur Gymnasiumstraße heranführen.

Die nächste Turmbergbahn

Die dritte Generation der Bahn wird sich von ihrer Vorgängerin deutlich unterscheiden. Die Strecke soll bis zur Bundesstraße B3 verlängert werden. Dort entsteht die neue Talstation mit direktem Anschluss an Bus und Straßenbahn. Fahrzeuge und Stationen werden barrierefrei ausgeführt, die Turmbergbahn soll in den normalen KVV-Tarif integriert werden und künftig automatisch betrieben werden können.

Für die eigentlichen Neubauarbeiten sind nach Angaben der Verkehrsbetriebe rund 15 bis 18 Monate vorgesehen. Der bisher veröffentlichte Zeitplan sieht die Wiederaufnahme des Betriebs im ersten Quartal 2028 vor.

Dann beginnt am Turmberg zum dritten Mal eine neue Epoche: 1888 mit der Wasserballastbahn, 1966 mit der elektrischen Standseilbahn und nun mit einer vollständig erneuerten und verlängerten Anlage.

Die Wagen und Stationen, die fast sechzig Jahre zum Bild des Turmbergs gehörten, werden dann fehlen. Gerade deshalb sind die Aufnahmen ihrer letzten Betriebstage inzwischen mehr als bloße Eisenbahnfotos. Sie dokumentieren die zweite Inkarnation einer Bahn, die sich seit 1888 immer wieder verändert hat – und dabei doch stets dieselbe Aufgabe behielt: Menschen hinauf auf den Turmberg zu bringen.


Quellen und weitere Informationen

Zur Geschichte der Turmbergbahn und zum Umbau 1965/66: Stadtarchiv Karlsruhe – „Verlängerung der Turmbergbahn“.

Zum Neubau, zur Förderung und zum aktuellen Projektstand: Verkehrsbetriebe Karlsruhe – Turmbergbahn.

Zum Beschluss des Gemeinderates vom Januar 2025: Stadt Karlsruhe – „Jahrhundertprojekt kann kommen“.